Sensationelle deutsche Filmkritik zum Filmklassiker „Casablanca“ aus dem Jahr 1942 entdeckt!

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Sensationelle deutsche Filmkritik zum Filmklassiker „Casablanca“ aus dem Jahr 1942 entdeckt!

Im Jahre 1942 kam der Filmklassiker „Casablanca“ in die US Kinos und bis heute zählt der Film zu den grossen Melodramen der Filmgeschichte. Auch in Deutschland wurde der Film immer wieder mit grossem Erfolg sowohl im Kino als auch im Fernsehen gezeigt. Dabei ist es in der Tat erstaunlich, dass 1942 – also mitten im zweiten Weltkrieg – in Hollywood ein Film produziert wurde, der dermassen deutschfreundlich ist. Kennt man jedoch die Hintergründe, ist dies weit weniger verwunderlich.

Zunächst einmal entwickelten sich die Beziehungen von Hollywood zu Deutschland nach 1933 überraschend gut. In seinem exzellenten Buch „Der Pakt – Hollywoods Geschäfte mit Hitler“ beschreibt Ben Urwand wie während der Weimarer Republik in Deutschland Quoten für ausländische Filme eingeführt wurden – wie in vielen anderen Ländern auch – um die heimische Filmindustrie zu fördern. Mit der Machtübernahme der NSDAP 1933 hätte man nun vermuten können, dass der Import von US Filmen noch weiter heruntergeschraubt wird, doch das Gegenteil war der Fall: ab 1933 stieg der Import von Hollywood-Filmen nach Deutschland stark an und viele US-Filme wurden von den Nationalsozialisten als vorbildlich für die Jugend angesehen und prämiert, so zum Beispiel „Bengali“ mit Cary Cooper. Der Typ des Helden in Hollywood-Filmen wurde als geradezu vorbildlich für den neuen Typus des deutschen Mannes angesehen.

Da Deutschland der grösste und wichtigeste Markt für Hollywood-Filme in Europa war, arrangierten sich die grossen Hollywood Studios problemlos mit dem neuen Deutschland, das Arrangement hielt buchstäblich bis zur deutschen Kriegserklärung im Jahre 1941. Dabei kamen die Deutschen Hollywood ausgesprochen entgegen, als sie den grossen Filmstudios erlaubten durch ein ausgeklügeltes Arrangement mit der Reichsbank Devisen aus Deutschland herauszubringen. Zuvor konnten die Studios – ähnlich wie in der Sowjetunion – das in Deutschland verdiente Geld nur wieder in Deutschland investieren. Im Gegenzug legten die Hollywood Studios den Deutschen Drehbücher und neue Filme zur Begutachtung und Zensur vor – bereits im Entstehungsprozess der Filme. Deutscherseits war in Los Angeles das deutsche Konsulat mit dem Konul G.G. Gyssling mit dieser Aufgabe betraut. Der schweizer Filmhistoriker L. U. Egner stiess bei seiner Forschung über die Geschichte von Warner Brothers auf eine von einem Mitarbeiter des Konsulates verfassten Kritik zu dem Film „Casablanca“, verfasst unmittelbar nach der US Premiere! Die Entdeckung dieser frühen (deutschen) Filmkritik zu diesem Film-Klassiker ist selbst mehr als spektakulär: Mit Kriegsbeginn zwischen Deutschland und den USA wurde auch das deutsche Konsulat in Los Angeles geschlossen, die Mitarbeiter der Filmabteilung sollten jedoch in Hollywood verbleiben und weiterhin über die US-Filmindustrie berichten. Zu diesem Zweck griffen die Deutschen zu einem diplomatischen Trick: Die beiden Mitarbeiter der Filmabteilung des deutschen Konsulates wurden nun offiziell angestellt bei der (in der Schweiz) in Basel ansässigen BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich), die den ganzen Krieg über mit allen Seiten Geschäfte machte und dessen Vertreter der deutschen Seite Hjalmar Schacht war. Als Mitarbeiter der BIZ konnten die zwei Mitglieder der Filmabteilung des deutschen Konsulats den gesammten zweiten Weltkrieg in den USA verbleiben.

Leider konnte Egner bisher nicht in Erfahrung bringen, welcher der beiden Mitarbeiter diese Kritik über Casablanca verfasst hat, die wir nun nachstehend ungekürzt bringen:

 

Casablanca – ein zeitgenössisches Melodram der Extraklasse

Letzte Woche hatte in Los Angeles der Film „Casablanca“ Premiere, ein grosser Film mit einer grossen Besetzung. Unter der Regie von Mihály Kertész Kaminer spielen Ingrid Bergman, Conradt Veit, Humphrey Bogart, S.Z. Sakall, Peter Lorre und Claude Rains.

Vorab muss man ersteinmal offen ausprechen, dass es doch erfreulich ist, dass selbst während dieses Krieges über die Fronten hinweg, es möglich ist, dass in den USA ein Film enstehen konnte, der so unverhohlen deutschfreundlich ist, dass man hoffen kann, dass sich beide Nationen nach diesem Krieg wieder in Freundschaft vereint finden werden. In dem Film „Casablanca“ nun geht es um den moralisch tadellosen deutschen Major Strasser, in tadellos sitzender deutscher Uniform – grandios verkörpert von dem Deutschen Star Conradt Veit – der in diese verkommene Schurken-Metropole Casablanca reist um den Mord an zwei deutschen Volksgenossen und den Diebstahl zweier Transit-Visa aufzuklären. In Casablanca begegnet Strasser nun einer Vielzahl komischer Verbrechernaturen und Kanaillen. Da ist zunächst einmal der zwielichte Besitzer der Schieber-Kneipe „Ricks´s Café“. Um dem verehrten Publikum gleich zu zeigen, mit was für einem Typen wir es hier zu tun haben, haben die Brüder Warner die Rolle mit dem Schauspieler Humphrey Bogart besetzt, einem in den USA sehr bekannten Schurken-Darsteller, der gewöhnlich Mafia-Gangster und Mörder spielt. Auch in diesem Film stellt er den unsympathischen Kneipenbesitzer Rick dar, der sich ua als Waffenschieber verdingt, des reinen Geldes wegen. Die ständige Betonung, dass es sich bei dieser dubiosen Gestalt um einen US-Amerikaner handelt, ist eine bravouröse Kritik an der Rolle die die Wilson Regierung im ersten Weltkrieg einnahm, und die das Roosevelt-Regime heute spielt. Paul Henreid verkörpert den Schwätzer „Viktor Laslo“, ein Typ, der ständig redet und nie handelt – und dessen zwielichtiger Charakter auf den des Grafen Coudenhove-Kalergi basieren soll. Lazlos Heldetum besteht darin, vor den Deutschen so weit wie möglich weg zu laufen und dann im Rundfunk langweilige Ansprachen zu halten und andere junge Männer dazu aufzurufen, etwas zu tun, was er selber lieber lässt, nämlich für seine Ideale zu kämpfen. Der Mann ist so langweilig, dass seine eigene Ehefrau Isla ihn nicht mehr erträgt und sich in die Arme selbst eines dahergelaufenen US-amerikanischen Waffenschiebers rettet. Bei der schauspielerischen Darstellung dieses gelangweilten schwedischen Flittchens brilliert die grosse Schauspielerin Ingrid Bergman, die zweifellos noch eine grosse Zukunft vor sich hat. Auch die anderen Rollen werden – wenn auch typ-gecastet – von herrausragenden Darstellern gespielt, so Peter Lorre in der Rolle des kleinen Gauners, der mit den Transit-Visa eine schnelle Mark verdienen will.

Eine der ganz grossen schauspielerischen Leistungen sehen wir hier von Claude Rains in der Rolle des schmierigen Polizeichefs von Casablanca. Der Vichy-Franzose ist nicht nur korrupt, sondern erpresst auch junge hübsche Frauen zu Handlungen, die zu widerwärtig sind, als dass man sie hier auch nur erwähnen möchte. Es ist bezeichnend, dass sich für diese unsympathische Rolle kein französischer Schauspieler finden konnte und die Rolle des feigen, frauenschändenden Franzosen nun ausgerechnet von dem grandiosen britischen Schauspieler Claude Rains verkörpert wird, ein wahrer Held im wahren Leben und britischer Offizier im Range eines Captains des London Scottisch Regiments im ersten Weltkrieg.

Zu den ergreifensten Szenen des Meisterwerkes: Da ist zunächst die Szene in der der tugendhafte Major Strasser in Rick´s Café die wunderschöne deutsche Weise „Die Wacht am Rhein“ anstimmt. Gibt es etwas friedliebenderes auf der Welt als ein paar Deutsche, die einfach nur friedlich bei einem Glas Bier zusammen sitzen und ein Lied anstimmen? Wohl wahr, aber selbst dies ist nun wieder einigen Vichy-Franzosen zu viel. Sofort fangen die anwesenden Franzosen an zu stören und blöken die Marseillaise, eines der blutrünstigsten Lieder, die jemals geschrieben wurden und krächzen es lauthals aus ihren Franzosenkehlen, die das schleimige Grab unzähliger grüner, elsässischer, arischer Froschschenkel wurden, dass heisst wenn der Franzmann schnell genug war, den Frosch zu erhaschen und nicht  mit der weit langsameren westpfälizischen Weinbergschnecke vorblieb nehmen musste! Die Genialität mit der der Regisseur die hassverzerrten Franzosengesichter beim Gesang ihrer lärmenden Nationalhymne zeigt, lässt einem noch Tage danach erschaudern…

Die zweite, noch weit erschütterndere Szene ist die Schlussszene, in der der Schwätzer und das Flittchen sich mit den geklauten Transit-Papieren in einem portugiesischen Flugzeug auf und davon machen und der gesetzestreue Major Strasser zum Flughafen eilt, um die Transit-Visa zu sichern. Da bleibt einem der Atem stocken, wenn nun der feige US-amerikanische Waffenschieber Rick – sozusagen hinterricks – die Waffe zieht und den deutschen Offizier von  H I N T E N  niederstreckt. Hier offenbart sich die Hinterlistigkeit der Schurken, die es natürlich nicht fertig bringen, einem deutschen Offzier Auge in Auge in fairem Kampfe gegenüberzutreten. Es reicht eben gerade noch für den feigen Dolchstoss von hinten, das kennen wir ja nun schon aus dem letzten Krieg.

Der Regisseur zieht nun eine letzte Trumpfkarte und zeigt in der letzten Einstellung wie der feige Rückenschiesser und der schmierige Vichy-Franzose ziemlich weibisch gemeinsam in die Nacht schlendern, so wie es sonst am Ende eines Filmes der Held und seine holde Maid tun – und dabei noch eine letzte Untat planen, die dieser beiden Mordbuben würdig ist: natürlich überlegen sie sich schon, welchen armen unschuldigen Kreaturen sie diesmal das feige Verbrechen unterschieben können!

Kurz und gut: ein grossartiger Film für die ganze Familie!